Dinkelsbühl feiert bei der Kinderzeche Lores Friedenstat
Dinkelsbühl [ENA] Dinkelsbühl ist bis zum 27. Juli im Ausnahmezustand. Das traditionelle Kinder-und Heimatfest Kinderzeche lockt bis zu 50000 Besucher in die Stadt. Erstmals entsendet Schweden mit Botschafterin Veronika Wand-Danielsson eine Vertreterin. Das Heimatfest zählt zum Immateriellen Kulturerbe.
Dinkelsbühls Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer kommt ins Schwärmen, frägt man ihn nach der Bedeutung der Kinderzeche. Dieses Fest ist extrem bewegend, anstrengend, unheimlich verbindend. Ein Fest, an dem zehn Tage keine Politik stattfindet, keinerlei Streit. In dieser Zeit umschlingt uns das Band des Friedens. Es ist eine Zeit eines extrem gelebten Heimatgefühls. Dies ist spürbar. Fast jeder der Stadt beteiligt sich in irgendeiner Form. Der örtliche Fahrradhändler schließt eine Woche. Die Kinderzeche braucht ihn. Der Wirt von der "Glocke" mietet Kühlhäuser an, braucht eine Woche Vorbereitung, damit alles passt. Schließlich ist er seit Jahren ausgebucht mit Stammgästen, die seine Küche, die Nähe zum Münster und Festzentrum genießen.
Geht man aktuell durch die festlich geschmückten Straßen einer der schönsten Altstädte Deutschlands, dann wünscht man sich hier "a scheene Kinderzech". Der Stellenwert ist bedeutsam, wichtiger als Weihnachten. Das historische Kinder- und Heimatfest mit dem gleichnamigen historischen Festspiel , der Stadtübergabe durch die Ratsherren an die schwedischen Truppen am Wörnitztor und die Rettung der Stadt durch den mutigen und beherzten Einsatz der Kinderlore und ihrer Kinderschar ist der jährliche Besuchermagnet. Erstmals dabei eine Vertreterin Schwedens. Salopp freute sich OB Hammer als die Zusage der Schwedischen Botschafterin Veronika Wand-Danielsson kam. Dinkelsbühl lässt den "Feind in die Stadt". Stolz zog er mit ihr durch die Stadt.
Dabei erzählte Ihre Exzellenz dem OB Privates und Überraschendes. Es gibt nämlich eine private Verbindung ihrer Familie zu Dinkelsbühl. Ihr Großvater Sven Helander war einst schwedischer Konsul in Nürnberg. Da Schweden kein Kriegsteilnehmer am Zweiten Weltkrieg war, durfte er mit den Amerikanern über das Schicksal der Stadt beraten und verhandeln. Das Ergebnis: Dinkelsbühl wurde verschont. Weiße Bettlaken dominierten die Hausfronten. Welche ein Geschenk für die Stadt - bis heute.
Alle Schulkinder Dinkelsbühls bis zur achten Klasse sind aktiv an der Kinderzeche beteiligt. In historischen Uniformen leben sie die alte Zeit. Sie sind alle voll motiviert. Ein 14-jähriger Knabe zeigt sich beim Reigentanz mit seiner Partnerin bestens trainiert. Keine Pubertätsblockade. Sie drehen, springen und hüpfen voller Begeisterung. Eine Lehre fürs Leben , dokumentarisch, glaubhaft, wegweisend. Diszipliniert reihen sich die Schulkinder mit ihren Roben aus alter Zeit voll motiviert, strahlend und auf den Punkt einsatzbereit in den Programmablauf. Nichts zu spüren von Unbehagen, schulischem Zwang. Nein. Die aktive Kinderzechteilnahme hat ihre eigene Pädagogik - eingehämmert für ein Leben in die Herzen. Frieden spielerisch gelernt.
Das friedliche Miteinander hat die Regentschaft in Dinkelsbühl während der Kinderzeche. Die Lehre von Lores Heldentat, die fast alle Dinkelsbühler voller Überzeugung und Inbrunst feiern -seit weit über 100 Jahren - Die Botschaften der Kinderzeche für unsere außer fugen geratenen Welt sind klar: Humanitas, Verstand gebrauchen, Miteinander, Aufopfern für ein höheres Ziel. Deshalb hat Dinkelsbühl eine eigene Zeitrechnung. Sie führen ihren Kalender in zwei Rubriken - vor bzw. nach der Kinderzech. Auch am Tag des ersten Umzugs wuseln die Menschen schon Stunden vor dem Festzugsbeginn durch die Stadt mit der Märchenkulisse. Ein Platz mit Aussicht ist das Ziel. 1300 Akteure ziehen dann durch die Stadt. Eine bunte Reise in vergangene Jahrhunderte.




















































