Die Psychoanalytische "Kriminalisierung" Dostojewskis
Wien [ENA] In seinen Schriften "Bildende Kunst und Literatur" hat Sigmund Freud mit dem psychoanalytischen Skalpell in dem Artikel "Dostojewski und die Vatertötung" den berühmten russischen Dichter richtiggehend seziert und ihn dabei auf die psychoanalytische Couch verbannt. Mit unheimlicher Schärfe, wenn nicht Grausamkeit, hat Freud dabei den Menschen hinter den berühmten Werken erbarmungslos schuldig gesprochen.
Dabei ist die Schärfe der psychoanalytischen Theorie wahrscheinlich weit über die literaturwissenschaftliche Befugnis hinausgegangen, die sich dazu berufen fühlt sich über den oder die Schaffendenden Gedanken zu machen, aber immer bemüht ist, das Werk als eigenständige Größe zu erleben und die Künstler dahinter nur in ihrer existentiellen und biographischen Befindlichkeit darzustellen. Fast dreht Sigmund Freud den Spieß um und konstruiert aus biographischen Elementen und Analyse der Werke einen "Patienten" den er nun in sein durchaus kompliziertes und tiefsinniges Theorieschema einbettet und dabei zum Beispiel den Dichter Dostojewski zum Vatermörder, Homosexuellen oder Psychopathen posthum stilisiert.
Dadurch schwebt aber das psychoanalytische Skalpell drohend, wie ein Damokles Schwert, praktisch über der ganzen Menschheit und kann beliebig jeden kriminalisieren. Zwar möchte Freud von der Persönlichkeit Dostojewskis "den Dichter, den Neurotiker, den Ethiker und den Sünder" unterscheiden und lobt "Die Brüder Karamasoff" als einen der großartigsten Romane, die je geschrieben wurden, sieht aber im Menschen Dostojewski einen ethischen Makel, schwingt dabei aber eine erbarmungslose moralische Keule, indem er dem Dichter vorwirft versäumt zu haben "ein Lehrer und Befreier der Menschen zu werden", ausserdem sich zu den Kerkermeistern, Sündern und Verbrechern gesellt zu haben, weil er durch seine Neurose dazu unweigerlich verdammt sei.




















































